Der zweite erste Geburtstag // und warum alles so anders war

Ich streiche über den geschmückten Tisch. Geschmückt und gefüllt mit all der Liebe die ich besitze. Der Tisch, der heute einen besonderen Namen trägt: Maliks 1. Geburtstag. Ich blicke zu meinem mittlerweile gar nicht mal mehr so kleinem Mann. In der Luft liegt der Duft von frischgebackenen Muffins. Ein ganz besonderer Tag, doch wieso bin ich den Tränen so nah? Wieso spüre ich diesen Druck in meiner Brust?

Dieses Gefühl von Freude und gleichzeitiger Trauer ist schwer zu beschreiben. Es überrascht mich selbst und es machte mir Angst. Wieso fühlte es sich damals bei Younes so anders an?

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Was war ich Stolz. Mein Herz sprang auf und ab. Und während ich die Träne von meiner Wange strich, freute ich mich schon über den nächsten Meilenstein den mein erstes Kind Younes bald in Angriff nehmen würde. Alles ist so neu. Nicht nur für ihn, auch für mich. Ein Abenteuer, dass wir beide durchleben und uns schon auf das Nächste Ziel bereitstellten. Und so fieberten wir auch auf seinen großen Tag hin.

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Während wir es bei dem ersten nicht erwarten konnten, blickte ich diesesmal wehmütig auf meinen Kalender. Mein kleines Baby, du wirst schon eins?! Wie konnte die Zeit nur so schnell verfliegen?! Und vor allem, wieso muss die Zeit so schnell vergehen?!

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Während ich bei dem ersten Kind kaum erwarten konnte, bis es krabbelt, bis es läuft oder spricht, so ist es diesmal ganz anders. Ich möchte mein Baby so lange behalten wie es nur möglich ist. Ich möchte, dass es dieses kleine unschuldige Wesen bleibt und sich so lange wie es geht an mich schmiegt. Jeder neue Schritt, jedes neue Wort, macht mich so unglaublich stolz aber dennoch habe ich Angst. Angst davor, das alles zum letzten mal erleben zu dürfen.

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Während Younes innerhalb kürzester Zeit aus seinen Klamotten wuchs und ich sie so selbstverständlich zur Seite legte, und mich schon darauf freute sie für Baby Nr. 2 auszupacken, lege ich nun die Sachen mit einem mulmigen Gefühl weg. Das Gefühl diese wunderschöne kleine Hose, die klitzekleinen Schühchen oder die kuschlige Jacke in meiner Lieblingsfarbe nicht genug ausgekostet zu haben. Diese kleinen Teile in der Hand zu halten, lässt mich tatsächlich ein stückweit mehr realisieren, dass mein Baby groß geworden ist.

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Ich versuchte das Gefühl einzuordnen. Zu verstehen was in mir vor ging. Mich überkamen Gewissensbisse. Sollte ich mich nicht für den zweiten genauso freuen? Mit ihm genauso viel üben und anfeuern wie bei dem ersten?

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Doch im nächsten Augenblick musste ich diese Gedanken abschütteln. Mir wieder klar machen, dass das nicht heißt, dass ich den einen mehr liebe als den anderen. Denn die Liebe zu beiden ist genauso groß. So enorm, dass es wehtut.

Nein daran lag es nicht. Es ist völlig normal so zu empfinden. Die Stellung in der Geschwisterreihe bestimmt auch das Verhalten der Eltern mit.

Beim ersten Kind ist alles neu und man möchte mit ihm zusammen die Welt erkunden. Die Neugier auf all das was noch kommt treibt einen voran.

Während das zweite Kind von deiner Sicherheit, Routine und Erfahrungen auf eine andere Art profitiert und man gelassener an viele Dinge rangeht. So eilt das ganze nun nicht mehr, denn man weiß dass es früher oder später krabbeln, laufen und auch sprechen wird. Also wieso diesen Geruch eines Babys nicht lang genug einatmen dürfen um den Moment festhalten zu können?

So erkannte ich im selben Atemzug, wie wunderschön doch auch diese Art von Muttergefühle sind und lies mich darauf ein.

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Ich streiche mit gemischten Gefühlen über den liebevoll geschmückten Tisch. Mein Blick streift den großen silbernen Ballon, der die Form einer „Eins“ hat. Ja mein Baby ist zu einem Kleinkind heran gewachsen. Und egal wie sehr ich doch bedauere, dass die Zeit zu schnell verstrich, so sehr freu ich mich auch, auf die nächsten Jahre mit dir mein Schatz Malik ♥️

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3 Gedanken zu “Der zweite erste Geburtstag // und warum alles so anders war

  1. So wird es Dir auch mit dem Kindergarten und später der Einschulung ergehen. Bei meiner Großen war ich unglaublich stolz.. mein großes Mädchen und bei meiner Kleinen habe ich bittere Tränen geweint als die Anmeldung für die Schule eintrudelte – meine Maus wird auch groß und ich muss mich von meinem Baby trennen – das hat mit mehr oder weniger Liebe nichts zu tun. Mir wird auch bewusst das ich alle diese Stationen zum letzten mal mit erleben darf als Mama – es wird keinen ersten Tag im Kindergarten mehr geben nach ihr und es wird keinen ersten Schultag mehr geben – nach ihr… und das stimmt mich doppelt traurig und das bewusst werden – wie schnell die Zeit vergeht und uns durch die Finger rinnt. ich kann Dir vollkommen nachfühlen.
    LG
    Cristina

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  2. Ich musste gerade weinen als ich deinen Text gelesen habe. Vor allem wegen dem Satz, das die Liebe so enorm ist, dass es weh tut. Genauso fühle ich auch ggü. meinem Sohn. Ich habe mich bewusst für ein Kind entschieden und habe an seinem ersten Geburtstag auch geweint. Muttergefühle sind mit nichts zu vergleichen. Danke für deine tollen Texte!!!! ❤️

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  3. Ich bin durch Zufall auf den Blogeintrag gekommen und musste direkt anfangen zu weinen. Genau so ging es mir auch erst vor zwei Wochen, als meine zweite Tochter 1 geworden ist. Du hast deinen Text mal wieder auf den Punkt gebracht!

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